Irgendwie kriege ich die Aussagen und Statistiken nicht so ganz übereinander gebracht.
Gerade im KFZ-Bereich hätten sie sich bereits vielfach bewährt und Leben gerettet, schilderte Meyer. Bei Smartphones und Smartwatches hingegen besteht nach den Erfahrungen der Rettungskräfte noch erheblicher Entwicklungsbedarf. Bei ihnen seien die Auslöseschwellen oft zu niedrig eingestellt, was zu einer Vielzahl unbeabsichtigter Notrufe führe.
OK, E-Call ist also sinnvoll, Smart-Device-Alarme hingegen verbesserungswürdig.
Bei der Leitstelle in München beispielsweise gingen mit Stichtag Ende Juni binnen Jahresfrist 3208 eCall-Meldungen und 26 Smartwatch-Alarme ein. Die Leitstellen Hoch-Franken und Schweinfurt zählen jeweils bis zu 30 Einsätze im Monat, und viele andere nannten pauschal “mehrmals täglich”. Die Bandbreite der berichteten Fehlalarme lag dabei zwischen 75 und über 95 Prozent. Augsburg etwa registrierte bei 350 eCall-Meldungen 275 Fehlalarme.
Also nach den konkreten Zahlen sind doch dann E-Call eher ein Problem was Fehlalarme angeht?!
Also nach den konkreten Zahlen sind doch dann E-Call eher ein Problem was Fehlalarme angeht?!
Was auch ungefähr meinem Vertrauen in Softwarefoo bei Autoherstellern entspricht.
Also nach den konkreten Zahlen sind doch dann E-Call eher ein Problem was Fehlalarme angeht?!
Ja, aber Heise sind halt auch Techbros, die können das nicht einfach als so schädlich benennen, wie es in der Gesamtbetrachtung ist.
Zuerst mal: Der Eingang einer eCall Meldung oder eines Smart-Devices ist erstmal nur ein Notruf wie jeder andere - und das heißt nicht,dass da jedes Mal Kräfte real raus geschickt werden.
Um mal einen Vergleich zu liefern: Die Leitstelle München nimmt am Tag 2000-3000 Notrufe entgegen. 3250 eCall Notrufe entsprechen also 8-9 Notrufe am Tag. (Wobei es hierbei ja nicht so ist,das diese alle “zusätzlich” entstehen - ein gewisser Teil hat ja auch seine Berechtigung und ersetzt so normale Notrufe) Normale Handy-Taschen-Notrufe sind übrigens eine ganz andere Dimension, hier reden wir in großen Leitstellen von mehreren pro Stunde. Mit dem Extra-Benefit,dass man theoretisch die Rufnummer bei Verbindungsabbruch zurück rufen müsste. (Machen aber bei weitem nicht mehr alle Leitstellen)
Nichts desto trotz sind eCall Alarme natürlich manchmal nervig, es kommt definitiv zu Fehleinsätzen und vor allem über-Triagierung (man entsendet mehr Mittel als man bräuchte). Die Problematik ist hier auch nicht der Standard -es gibt durchaus Integration in Leitstellensysteme. Nur halt nicht in alle…was nicht am seit Jahren 20 Jahren bekannten Standard liegt. Ein Nebenfaktor ist hierbei die fehlende Flexibilität der deutschen Leitstellen (Behörden und Hilfsorganisationen nehmen sich da leider nichts) - in vielen Leitstellen wird auf einen eCall Alarm genauso alarmiert wie bei einer “Maximalmeldung” - sprich: kann man keinen Sprechkontakt aufbauen alarmiert man erstmal volles Rohr (=A4 hat vier Plätze,also geht man von vier eingeklemmten, bewusstlosen Personen aus.) Das ist natürlich großer Schwachsinn, aber ist halt typisches Verwaltungsdenken in DE.
Das zweite Problem sind die Nutzer - niemand kann und sollte etwas über die Auslösung eines Notrufes nach einem Unfall haben- aber leider wissen viele Autofahrer nicht einmal,dass sie eCall haben & ignorieren im Schock dann auch noch die Sprachansagen des Autos. Dementsprechend steigen sie aus, es besteht kein Sprachkontakt mehr und Kräfte werden alarmiert. Tlw. ignorieren die Leute aber den eCall auch einfach, selbst wenn sie es mitgekriegt haben.
Man darf auch die andere Seite nicht vergessen: Ich habe im Rettungsdienst angefangen wo “jeder hat ein Handy” erst so langsam Standard wurde und das Netz gerade am Land noch Scheisse war. Ich hab selber schon den Tod zweier 18 Jähriger Mädchen feststellen müssen, die Stunden-lang eingeklemmt neben einer gar nicht so unbefahrenen Landstraße lagen. Laut Rückmeldung aus der Rechtsmedizin wäre die eine mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rettbar gewesen,die andere mit hoher Wahrscheinlichkeit.
Ein anderes Mal hatte ein älterer Herr nur das Glück, dass sein Auto von Straßenarbeitern rechtzeitig gefunden wurde - wir haben ihn mit 31° übergeben bekommen.
Übrigens passiert sowas auch heute noch: https://www.stern.de/news/baden-wuerttemberg--vermisste-nach-einer-woche-tot-in-auto-neben-landstrasse-gefunden-35945098.html
Das hätte man vorher wissen können. Bevor es den Mist gab, dass automatisierte Notrufe praktisch überall eingebaut wurden, gab es schon ein ähnliches, auch zunehmendes Problem mit automatischen Brandmeldeanlagen.
Mir kommt jedenfalls kein Auto mit eCall in die Tüte und irgendwelche automatischen Notruf-Funktionen in Smartphone und Co. schalte ich aus. Wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass mir wirklich mal was passiert, wo niemand vorbeikommt, um einen Notruf abzusetzen, dann ist das halt so. Allgemeines Lebensrisiko. Um den unwahrscheinlichen Fall abzudecken, überlaste ich nicht mutwillig Systeme, die an anderer Stelle bei wesentlich wahrscheinlicheren und häufigeren Notfällen Leben retten.
Ein Menschenleben ist eine gewisse Quote von Fehlalarme wert.
Eine gewisse Quote, aber nicht die 90%, die in dem Artikel genannt werden.
Außerdem gibt es immer ein Restrisiko. Diese unrealistische Vollkasko-Mentalität, die meint, jedes auch noch so unwahrscheinliche Restrisiko ausschließen zu können, tötet, weil sie Systeme überlastet und dazu führt, dass die Leute, die das abarbeiten “dürfen”, solche Alarme nicht mehr ernstnehmen.
Weißt Du, wozu die zunehmende Flut von Fehlalarmen bei Brandmeldeanlagen geführt hat? Nämlich dazu, dass solche Alarme nicht mehr wirklich ernstgenommen werden, und dass diese Alarme in der Regel nicht mehr so viele Ressourcen zugewiesen bekommen, wie das früher der Fall war, als das noch nicht so häufig passiert ist.
Der ganze eCall- und Smartphone-Mist hat eine wesentlich höhere Fehlalarmquote, als Brandmeldeanlagen, die immerhin einer gewissen Wartungspflicht unterliegen, und wo inzwischen Fehlalarme praktisch flächendeckend kostenpflichtig sind.
Bei uns kam immer ein kompletter Löschzug. Gibt aber auch mehr echte als Probe Alarme… Und Berlin Fenster… Und böses Zeug. Ich glaube aber kein kochendes Flusssäure Bad. Das haben die Steinelecker.
Ja, so ist das in Großstädten mit Berufsfeuerwehr. Der Löschzug ist dann auch gebunden, bis der Einsatzleiter festgestellt hat, dass das ein Fehlalarm ist. (Feststellen heißt, nicht einfach Leute vor Ort fragen, sondern mit eigenem Personal den Abschnitt erkunden, in dem der Melder ausgelöst hat, je nach Größe des Objekts kann das auch mal dauern)
Überall, wo es keine Berufsfeuerwehr gibt (also außerhalb von Großstädten), kommen stattdessen halt Freiwillige. Die dann mit jedem Fehlalarm weniger Bock und mehr Ärger mit ihrem Arbeitgeber haben. Resultat: Für BMA kommt fast kein Schwein mehr. Blöd, wenn’s dann wirklich brennt.
Rechtlich ist es eigentlich so, dass automatisch ausgelöste Alarme so zu behandeln sind, wie “echte” Notrufe von echten Menschen.
Weißt Du zufällig, ob bei Dir zum Löschzug dazu auch der Rettungsdienst mitkommt? Das wurde in meinem Landkreis vor rund 5-10 Jahren aus den Alarmplänen für BMA rausgenommen, weil das zu viele knappe Ressourcen verbraten hat.
Eine gewisser QUote, aber nicht 90%, wie in dem Artikel.
Äh… doch? Also wenn du precision vs recall tunest willst du bei sowas natürlich eher etwas Zeit in der Notrufzentrale verschwenden als jemanden sterben zu lassen.
Dann musst Du halt damit leben, dass Leute sterben, weil die Flut von Fehlalarmen das System überlastet. Viel Spaß damit. Denn das wirkt sich aktuell (und nicht erst seit gestern) schon aus.
Man könnte ja auch die Notrufzentrale besser besetzen, nur so als idee.
Der Ansatz ist finde ich verschwenderisch.
Die Tech-Industrie baut mumpitz und die öffentlichen Stellen müssen das abfangen, indem mehr Personal eingestellt wird, oder eventuell gleich die Leitstelle größer gebaut wird? Das ist doch ein Paradebeispiel von Profite privatisieren, Kosten vergesellschaften!Der Ansatz ist finde ich verschwenderisch.
Gerade, weil die Leitstellen in den vergangenen Jahren eh schon massiv personell aufstocken, unter Anderem, um die zunehmende Flut von Notrufen bearbeiten (das bedeutet am liebsten abwimmeln) zu können, die aus der abnehmenden Verfügbarkeit des normalen (also nicht notfallmäßigen) Gesundheitswesens resultieren. Außerdem ist das mit den Leitstellen alleine nicht getan, die machen eh seit vielen Jahren nur noch Mangelverwaltung, weil das Rettungswesen, insbesondere der Rettungsdienst, auch auf dem Zahnfleisch geht und dazu noch durch den neoliberalen Umbau der Gesellschaft das Ehrenamt zunehmend wegbricht.
Die automatischen Notrufsysteme für den privaten Bereich (eCall, Smartphones) decken ein verschwindend geringes und höchst unwahrscheinliches Risiko ab. Wir als Gesellschaft müssen uns dringend Gedanken machen, ob es das wirklich wert ist, insbesondere zu dem Preis, deswegen wesentlich wahrscheinlichere Risiken nicht mehr abdecken zu können.
Das ist doch ein Paradebeispiel von Profite privatisieren, Kosten vergesellschaften!
ich kann dich ganz nachvollziehen wie private Unternehmen von mehr Notruf profitieren. Ich jedenfalls bin froh, dass ich (sowie Mutter, Schwiegermutter) im Zweifelsfall einmal zu oft den Notruf verständigen als einmal zu wenig. Und ja, man bekommt das mit wenn das Ding nen Anruf startet. Kann das Abbrechen. Alles kein Hexenwerk.
Fehlalarme binden Ressourcen und gefährden damit Menschenleben, wenn tatsächliche Notrufe nicht mehr schnell genug behandelt werden können.
Wo hier das “Optimum” liegt, dürfte nicht so einfach ermittelbar sein.
Mir kommt jedenfalls kein Auto mit eCall in die Tüte
eCall ist leider seit 2018 bei Neufahrzeugen Pflicht.
Ich weiß, deswegen gibts für mich nur noch alte Mühlen.
Hab eh bis jetzt noch nie ein neues Auto gekauft, weil die Preise reine Abzocke sind.
Das ist schlichtweg Unfug,aber hey, die Demographie von Gebrauchtwagen löst auch das.